Psychologie · 28. Apr. 2026 · 19 Min.

Dissoziative Abwehr – Wenn du dich innerlich wegduckst

Tagsüber funktionierst du einwandfrei und erledigst deine Aufgaben wie ein Uhrwerk. Doch plötzlich bemerkst du, dass du die letzten zehn Minuten deiner Autofahrt komplett vergessen hast oder dich in einem Streit wie ein unbeteiligter Zuschauer eines Films fühlst. Du bist zwar körperlich anwesend, aber dein Geist scheint hinter einer dicken Glaswand zu verschwinden, die jedes Gefühl und jedes Geräusch dämpft. Dieses Phänomen der emotionalen Taubheit ist kein Zufall, sondern ein hochwirksamer Schutzschild deiner Psyche. Du erfährst heute, wie der Pionier Pierre Janet das Konzept der Desintegration des Bewusstseins entdeckte und warum dein Gehirn bei Überwältigung die Verbindung zum emotionalen Zentrum kappt. Du erkennst den Mechanismus hinter dieser psychischen Sicherung, die bei zu hoher Belastung einfach herausspringt, um dich vor Schmerz zu isolieren. Zur Beruhigung deines Nervensystems lernst du das Tool der Anker-Berührung kennen. Indem du eine Hand auf dein Brustbein legst und drei physische Sinneseindrücke benennst, aktivierst du deinen präfrontalen Kortex und findest aus der Erstarrung zurück in die Sicherheit deines Körpers. Nachts wird die weggesperrte Leere oft zum Problem, wenn die äußere Ablenkung fehlt und weggedrückte Emotionen gegen die Mauer der Abwehr drängen. Wenn du im Bett liegst und eine unerklärliche Panik oder ein Gefühl der inneren Fremdheit spürst, lockert sich im Halbschlaf dein Schutzmechanismus. Du lernst heute Abend, wie du diese fragmentierten Momente als Signal verstehst und dich liebevoll erdest, statt gegen die Stille anzukämpfen. So verwandelst du den Tresorraum deiner Seele in einen sicheren Ort, an dem du endlich tief und fest einschlafen darfst.

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