Psychologie · 29. Apr. 2026 · 18 Min.
Projektive Identifikation – Wenn du fremde Gefühle trägst
Du liegst im dunklen Schlafzimmer und plötzlich überfällt dich eine schneidende Wut oder eine erdrückende Schuld. Der Moment am Esstisch oder das kurze Gespräch im Büro hallen nach und dein Körper reagiert mit einem flauen Gefühl im Magen, obwohl du eigentlich alles richtig gemacht hast. Du fragst dich in der Stille der Nacht, warum du dich plötzlich so klein, so unfähig oder so gereizt fühlst, als hättest du die Kontrolle über deine eigene Innenwelt verloren. Du erfährst heute, wie die Psychoanalytikerin Melanie Klein entdeckte, dass wir unerträgliche Anteile wie heiße Kohlen in andere Menschen hineinlegen können. Du verstehst den Mechanismus, durch den dein Gehirn über Spiegelneuronen die psychische Last deines Gegenübers übernimmt, was Forscher wie Diamond sogar über Herzrate und Schweißbildung nachweisen konnten. Du lernst das Tool der Mentalen Garderobe kennen, mit dem du am Bettrand entscheidest, welche Emotionen wirklich deine sind und welche du dir nur wie ein fremdes Kleidungsstück hast überstreifen lassen. Dieses Wissen ist nachts besonders relevant, weil in der Ruhe die Grenzen zwischen deinem Ich und den Projektionen anderer verschwimmen. Du erkennst beim Einschlafen, dass der schwere Stein auf deiner Brust oft gar nicht dir gehört, sondern ein unbewusstes Wanderpaket ohne Absender ist. Du lässt die fremde Last nun bewusst los, spürst die Entspannung in deinem Kiefer und erlaubst dir, wieder leer und leicht in den Schlaf zu sinken.





